InVielfalt verlangt die Bereitschaft, deine Komfortzone zu verlassen.
Ich lade dich ein, dieses Heft nicht nur zu lesen, sondern zu nutzen: als Impuls, als Aufforderung zum Handeln. Dieses Magazin ist nicht nur ein Ort der Sichtbarkeit, sondern auch ein kritischer Spiegel. Denn so sehr wir die Schönheit menschlicher Unterschiedlichkeit feiern: Es reicht nicht, nur Portraits zu zeigen – wir müssen auch die strukturellen Probleme benennen, die Inklusion im Alltag bremsen.
Inklusion ist kein Selbstläufer – sie ist ein Kampf gegen Unsichtbarkeit, gegen wirtschaftliche Bequemlichkeit und gegen eine Gesellschaft, die aus meiner Erfahrung heraus, Vielfalt allzu oft nur auf dem Papier befürwortet. Mein Blick auf Inklusion ist kein theoretischer. Er ist geprägt von meiner Schwester Marina, die du auf dem Cover siehst.
Mit Marina erlebe ich seit vielen Jahren, was es bedeutet, sichtbar zu sein – und was es bedeutet, übersehen zu werden. In den letzten vier Jahren durfte ich täglich erleben, wie Marina nach 12 Jahren Werkstatt in unserem selbst gegründeten Unternehmen und bei der Arbeit in einem diversen Team aufblüht, sich entwickelt und selbstbewusst ihren Platz einnimmt. Diese Erfahrung motiviert mich, trotz aller Hürden weiterzumachen und anderen Mut zu machen. Inklusion muss mehr sein als ein Goodwill-Projekt. Wir leben in einer Zeit, in der Fachkräftemangel herrscht, und gleichzeitig lassen wir enormes Potenzial brachliegen. Menschen wie Marina bringen Perspektiven, Empathie und Fähigkeiten mit, von denen wir als Gesellschaft profitieren könnten – wenn wir bereit wären, offen für Vielfalt zu sein.
Besonders auffällig ist, dass vor allem Menschen mit Down-Syndrom heute gerne in Film, Fernsehen oder Marketingkampagnen als Symbol für Inklusion und Diversität genutzt werden. Vor allem im März zum Welt-Down-Syndrom-Tag oder im Oktober zum World-Down-Syndrom-Awareness Month. Sie werden als Rollenmodelle gezeigt – doch genau diese Sichtbarkeit in der
Öffentlichkeit spiegelt sich nur selten in der Wirtschaft wider.
Marken schmücken sich mit Diversität in der Werbung, aber wir
müssen uns fragen: Wo sind diese Menschen als echte Arbeitskraft in den Unternehmen?
Unternehmen mit mindestens 20 Mitarbeitenden sind gesetzlich verpflichtet, 5 % ihrer Arbeitsplätze mit schwerbehinderten Menschen zu besetzen. Und doch erfüllen nur 39 % der Firmen diese Pflicht vollständig. Anstatt Menschen einzustellen, zahlen Tausende Unternehmen, die ihrer gesetzlichen Pflicht nicht nachkommen, lieber eine „Ausgleichsabgabe“.
Diese Abgabe steigt seit 2024 drastisch und kann je nach Unternehmensgröße bis zu 720 Euro pro Monat und unbesetztem Pflichtplatz betragen. Diese Summe ist vollständig von der Steuer absetzbar und ist günstiger, als sich echte Inklusion zuzutrauen. Das ist kein Versehen, sondern ein System – und es zeigt, wie wenig unsere Gesellschaft tatsächlich bereit ist, sich auf Inklusion einzulassen. Wir geben mit unserer Broschüre seit 2021 jährlich fünf Menschen mit Down-Syndrom Raum, die auf ganz unterschiedliche Weise zeigen, wie vielseitig und stark ihre Lebenswege sind:
Neve – die als Erstklässlerin in Hamburg eine Regelschule besucht und damit zeigt, wie früh Teilhabe beginnen kann.
Elke – die liebevoll bei ihrer Mutter Lotte lebt und mit ihrer Wärme und Lebensfreude ein ganzes Dorf erfüllt.
Fritz – der seinen Eltern immer wieder zeigt, dass das Leben unendlich viele Möglichkeiten bereit hält und dabei neue Perspektiven eröffnet.
Marie – die selbst mit gebrochenem Bein und Rollstuhl hochprofessionell das Fotoshooting durchzieht und uns allen zeigt, was Entschlossenheit bedeutet.
Jelte – der mit seiner norddeutschen Gelassenheit und Ruhe beweist, dass Stärke oft leise und dennoch tief wirkt.
Ihre Geschichten fordern uns heraus, nicht nur das Individuelle zu betrachten, sondern das System zu hinterfragen. Vielfalt ist kein Zuckerguss, den man über bestehende Ungerechtigkeiten gießt. Vielfalt verlangt Struktur – und die Bereitschaft, deine Komfortzone zu verlassen. Sei Du und LASS MAL WIR SEIN.
Sabine Lewandowski
Initiatorin / Vorstandsvorsitzende Lass Mal Wir Sein e. V.
Gründerin + Geschäftsführerin MARI & ANNE
Hier gehts zum analogen Magazin 2025/26
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Danke an alle Unternehmer:innen, die den Druck des Booklets möglich machen: Muecke, Hejlenki, dariadéh, JAN N JUNE, Puma, Kleine Daumen, Awake, Grimm´s, Hejhej, Herzstärkend, Mit Ecken und Kanten, New Kids in The House, Posthotel Alexander Herrmann, Pfeffer & Frost., WeWrite sowie viele Kund:innen von MARI & ANNE für den finanziellen Support und die Teilhabe durch LASS MAL WIR SEI vielen weiteren Menschen Zugang zum Down-Syndrom zu ermöglichen.
Impressum
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Marina Lewandowski
Sabine Lewandowski
mariundanne.com
sabinelewandowski.com
Gunnar Ebert
gunnarebert.de -
Sabine Lewandowski
sabinelewandowski.com
INSTA @sabine_lewandowski -
Marina Lewandowski
INSTA @marina_van_dowski
Anika Falke
INSTA @anika.falke -
Geraldine Kahl
INSTA @awakecommunicationsde
WeWrite
Teresa Eriksson, Mark Wilshin
we-write.de -
Stürken, Bremen
Berberich Papier, Heilbronn